02.09.2026
Rohstoffversorgung für Hefe unter Druck
Rückläufiger Zuckerrübenanbau, anhaltende Wetterextreme und hohe Energiekosten belasten die Rohstoffbasis für die Hefeherstellung
Der Deutsche Verband der Hefeindustrie sieht die Versorgung mit Zuckerrübenmelasse für die Herstellung von Backhefe zunehmend unter Druck.
Grund dafür sind rückläufige Zuckerrübenanbauflächen und Trockenheit in wichtigen Anbauregionen. Zudem verschärft die Nutzungskonkurrenz bei Melasse die Rahmenbedingungen für die Hefehersteller in Deutschland.
Zuckerrübenanbau verliert 20 Prozent Fläche
Für die Ernte 2026 wurden in Deutschland Zuckerrüben auf rund 338.700 Hektar angebaut. Gegenüber 2024 entspricht das einem Rückgang der Anbaufläche um gut 20 Prozent. Damit stehen der Zucker- und Melasse-Erzeugung deutlich weniger heimische Rohstoffe zur Verfügung. „Die Entwicklung wird sich fortsetzen. Die geplante Einführung einer Zuckersteuer hat bereits heute Auswirkungen auf die Anbauplanung. Für die Kampagne 2027/28 zeichnet sich bereits ein weiterer Rückgang der Zuckerrübenanbaufläche ab“, erläutert Dr. Markus Weck, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Verbandes der Hefeindustrie e. V.
Hitze und Trockenheit belasten die Ernte
Neben der deutlich geringeren Anbaufläche wirken sich Hitze und Trockenheit auf Menge und Qualität der Zuckerrübenernte aus. Insbesondere in Süddeutschland und Frankreich belastet die Wetterlage die Bestände erheblich. Gestresste Pflanzen reagieren zudem empfindlicher auf Schaderreger wie die Schilf-Glasflügelzikade, die zu den größten Herausforderungen im Zuckerrübenanbau zählt.
Melasse ist mehr als ein Nebenprodukt der Zuckerherstellung
Für die Hefeherstellung ist Melasse ein unverzichtbarer Rohstoff. Gleichzeitig wird Melasse auch in anderen Industriezweigen eingesetzt. Hinzu kommen veränderte politische Rahmenbedingungen, die das nationale und internationale Melasseangebot zunehmend reduzieren. „Eine Verknappung des Melasseangebots erhöht den Wettbewerbsdruck auf den Beschaffungsmärkten und erschwert die Rohstoffversorgung der Hefehersteller“, so Weck.
Belastung durch hohe Energiekosten
Neben den Herausforderungen der Melassebeschaffung belasten hohe Energiekosten die Hefeproduzenten an mehreren Stellen. Die Herstellung von Hefe selbst ist energieintensiv. Die Produktion weiterer wichtiger Nährstoffe für die Hefe erfordert ebenso hohe Energiemengen. Hinzu kommen steigende Lager- und Transportkosten für die kühlpflichtige Backhefe.
Hefeindustrie fordert stärkere Aufmerksamkeit für die Rohstoffbasis
Der Deutsche Verband der Hefeindustrie sieht derzeit noch keine akute Einschränkung der Backhefe-versorgung. Dennoch mahnt der Verband auf keinen Fall die Rohstoffbasis für die Hefeherstellung durch weitere politische Entscheidungen noch weiter zu verknappen. „Mehl und Hefe gehören zu den unverzichtbaren Grundlagen des Backens. Während die Bedeutung des Getreideanbaus jedem bewusst ist, wird die enge Verbindung zwischen Hefeherstellung, Zuckerwirtschaft und Zuckerrübenanbau häufig unterschätzt. Genau deshalb verdient die Entwicklung mehr Aufmerksamkeit“, ergänzt Weck.
Pressemitteilung zum Download:
PM_Hefeindustrie_Rohstoffversorgung fuer Hefe unter Druck