Verbraucherinformationen: Das Wiener Verfahren

Verbraucherinformationen: Das Wiener VerfahrenVon Holland kam das Verfahren nach Deutschland. Um 1800 wird in Hannover von Lücke eine entsprechende Fabrik gegründet. 1825 produzierte der Hefehersteller Tebbenhof zum ersten Mal eine Presshefe. Vorher wurde Hefe in Form einer Creme verkauft. Tebbenhof hatte die Idee, die Hefe zu pressen und auf diese Weise das Wasser aus ihr zu entfernen. Dadurch konnte er sie in Form von Blöcken verkaufen, wie das auch heute noch geschieht. Die Filterpresse, die dieses industrielle Verfahren erheblich verbesserte, wurde 1867 erfunden.

Das Wiener Verfahren zur Herstellung von Backhefe entstand ebenfalls 1867. Dies ist der geschichtliche Beginn der Hefeherstellung.

Reininghaus, der bei Lücke gearbeitet hatte, erfand in der Wiener Fabrik von Mautner das Herstellungsverfahren, das die Lieferung von industriell hergestellter Hefe guter Qualität zu einem vernünftigen Preis ermöglichte. Das damals noch empirische Verfahren bestand in der Zubereitung einer Maische aus Getreide, wobei die Kohlensäureentwicklung die Hefe an die Oberfläche trieb, wo sie abgeschöpft werden konnte. Nach dem Durchseihen und Waschen mit kaltem Wasser wurde die Hefe in einen großen Bottich gegeben und dann in Gewindepressen oder Filterpressen weitgehend von Wasser befreit. Anschließend wurde die Hefe in Fässchen, Säcken oder in Form von rechteckigen Blöcken versandt. ("Wiener Abschöpfverfahren").

1872 gründete der aus Wien stammende Baron Max von Springer die erste französische Getreidehefefabrik, 1873 gefolgt von Lesaffre und Bonduelle. Die nach dem Wiener Verfahren hergestellte Hefe eroberte schnell den französischen Markt. Diese Methode wurde bis zum Ersten Weltkrieg angewendet.