Geschichte und Aufgaben des Verbandes
Die Vorsitzenden des Verbandes seit 1957
- 1957 - 1970: Herr Dr. Dr. h.c. Benecke, Deutsche Hefewerke, Hamburg
- 1970 - 1979: Herr Fritz Steingruber, Deutsche Hefewerke, Hamburg
- 1979 - 1984: Herr Dr. Max Schmidtner, Melassebrennerei, Oberkotzau
- 1984 - 1992: Herr Dr. Ingo Pleser, Frankfurt
- 1992 - 1994: Herr Dr. Christian Kapp, Deutsche Hefewerke, Hamburg
- 1994 - 2009 Herr Dr. Günter Moormann, Uniferm, Werne
- seit 2009 Herr Udo Heckelmann, Uniferm, Werne
Aufgaben
Satzungsgemäß hat der Verband die Aufgabe, die gemeinsamen wirtschaftlichen und fachlichen Interessen des Berufsstandes der Hefehersteller unter Ausschluss aller parteipolitischen und konfessionellen Belange zu vertreten, die Angehörigen des Berufsstandes in ihren gemeinsamen Belangen zu beraten und die gemeinsamen wirtschaftlichen und fachlichen Interessen zu wahren und zu fördern. Hierzu gehört die Vertretung der Interessen der Gesamtheit des Berufsstandes gegenüber dem Staat, Behörden, Gerichten, gesetzgebenden Körperschaften und Organisationen sowie anderen Wirtschaftsgruppen und auch gegenüber der Öffentlichkeit sowie die Unterstützung der Unternehmen in ihren gemeinsamen Belangen. Viele den Berufsstand betreffende Regelungen werden auf Bundesebene beschlossen. Der Einfluss der Europäischen Union wird jedoch immer bedeutender, immer mehr gesetzliche Regelungen der EU gelten für die Mitgliedstaaten unmittelbar. Die Arbeit auf EU-Ebene wird deshalb zunehmend wichtiger. Der Deutsche Verband der Hefeindustrie ist Mitglied des EU-Verbandes der Hefehersteller, COFALEC, und wirkt in dessen Entscheidungsgremien aktiv mit.
Von den Anfängen bis heute: die Rohstofffrage
Die Anfänge gewerblicher Hefeproduktion lassen sich bis etwa in das Jahr 1780 zurückverfolgen. Bis etwa 1850 war aber die Herstellung zu Backzwecken geeigneter Hefe an Brauereien und landwirtschaftliche Brennereien gebunden. Bis zum ersten Weltkrieg (1914 - 1918) war die Hefeproduktion durch die praktisch ausschließliche Verwendung der landwirtschaftlichen Rohstoffe Roggen, Gerste, Mais, Buchweizen und Kartoffeln bestimmt. Erst die Getreideverknappung im Verlauf des Krieges zwang die Backhefeindustrie, auf Melasse als Rohstoff auszuweichen. In Melasse lag Zucker in vergärbarer Form vor und musste nicht erst - wie bei den bisher verwendeten Rohstoffen - durch enzymatische Umwandlung aus der in den pflanzlichen Rohstoffen vorliegenden Stärke gewonnen werden. Der Übergang zu diesem neuen Rohstoff bereitete erhebliche Schwierigkeiten, vor allem die Versorgung der Hefe mit Stickstoff erwies sich als großes Problem. Es dauerte fast zwei Jahrzehnte, bis intensive Forschung- und Versuchsarbeit zum Erfolg führte: zur gleichmäßig sicheren Herstellung qualitativ hochwertiger Backhefe. So gelang - aus der Notlage kriegsbedingter Rohstoffverknappung geboren - die Entwicklung eines Herstellungsverfahrens, durch das ein Nebenprodukt der Zuckerherstellung zu einem unverzichtbaren Rohstoff der Brot- und Backwarenherstellung verarbeitet werden kann.
Hatte die Hefeindustrie zu Beginn des vorigen Jahrhunderts wegen kriegsbedingter Rohstoffverknappung auf Melasse als Grundstoff der Hefeproduktion ausweichen müssen und im Sinne des Wortes aus der Not eine Tugend gemacht, so sieht sie sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts Angriffen gegen diesen Rohstoff aus einer anderen Richtung ausgesetzt: Die Änderung der EU-Zuckermarktordnung hat zu einer drastisch verringerten Zucker- und damit Melasseproduktion geführt, während gleichzeitig der Irrweg der Bioethanolherstellung aus pflanzlichen Rohstoffen noch lange nicht gestoppt ist und insbesondere brasilianisches Zuckerrohr statt zu Zucker und Melasse zu Treibstoff verarbeitet wird. Gleichzeitig ist Pakistan als eines der großen Melasseausfuhrländer ausgefallen und zum Melasseimporteur geworden. Dies alles führt heute wiederum dazu, dass die Hefeindustrie mit einer Rohstoffverknappung zu kämpfen hat.